Wandel


Endlich ein Grund, das Internet zu entmüllen, zu bürokratisieren oder einfach irgendwann abzuschalten: Der Stromverbrauch.

der Privatsphäre in Deutschland.

„Wer hat mir auf die Schuhe gekotzt“ von Clickclickdecker war ja schon beim ersten Hören ein richtiges Hamburglied für mich. So langsam entwickelt es sich allerdings zum persönlichen Web2.0-Hit.

Nicht, dass ich solche spaßigen Nachrichten wie die Erwartung eines „negativen Ergebnisses im mittleren einstelligen Millionenbereich“ an der Spree in Zukunft ganz verpasse…

Sind da etwa jemandem die I-Den ausgegangen? Schadenfreude ist wirklich eine der schönsten Freuden, mein Schmunzeln lässt sich kaum stoppen.

deshalb hier mein Kommentar zur Talkrunde mit dem Thema „Scientology: Wie gefährlich ist die Psychosekte?“ vom heutigen Abend.

Bei allem Gerede über Verfassungsfeindlichkeit: Niemand in dieser Runde hat daran gedacht, auf die Hierarchie einzugehen, in die sich ein vorher freier Mensch (ja, obwohl auch in unserem Land ganz fürchterliche, die persönliche Freiheit eines jeden zunehmend einschränkende Dinge geschehen, bin ich der Meinung, dass wir mit ein bisschen Willen immer noch frei sein können) durch die Hinwendung zur Scientology Kirche begibt. Vor unserem Gesetz sind alle Menschen gleich, und alle haben das Recht auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Mit dem Eintritt in eine Hierarchie, wie sie durch die verschiedenen Grade in der Scientology-Ausbildung vorgebeben wird, gibt das Neumitglied allerdings genau diese Rechte ab: Was vorher noch gleichberechtigter Mensch war, ist plötzlich minderwertiger als der betreuende Clear oder ein für den Neuling unerreichbarer OT, darf sich als Ausgleich höherwertiger als ein Nichtscientologe sehen. Aufstieg und Anerkennung innerhalb der Hierarchie erkauft sich das Organisationsmitglied mit großen Geldbeträgen und der freiwilligen Aufgabe seiner Informationsfreiheit, wie von den beiden anwesenden Aussteigern neben der Bestätigung zu hören war, dass es nur darum geht, als Rädchen innerhalb der Organisation zu funktionieren. Alle diese Menschen fehlen nach ihrem Beitritt zur Scientology Kirche bei der Umsetzung unserer freiheitlichen Grundordnung, gefährden die Demokratie durch ihre Abwendung von derselben. Wie kann freie Entfaltung der Persönlichkeit und Meinungsbildung funktionieren, wenn über die Einschätzung der eigenen Befindlichkeit ein anderer entscheidet, und zwar am E-Meter, mit Blick auf das Erreichen eines größeren Zieles, in dem die persönlichen Bedürfnisse des Betreffenden keine besondere Rolle spielen?

Ebenso wenig wurde die zu vermutende bewusste Verheimlichung ihrer Unterstützung der Scientology Organisation durch einzelne Wirtschaftsakteure angesprochen oder ein Vergleich mit mittlerweile in deutschen Unternehmen fast üblichen Ausbeutungsmethoden herangezogen. Ich jedenfalls fürchte, die Arbeit bei nicht wenigen Klitschen in Deutschland hinterlässt in vielen „Aussteigern“ ähnliche Spuren wie die Technologie der Wirtschaftsorganisation Scientology. Nach meiner eigenen Erfahrung in der deutschen Web2.0-Blase steht es nicht nur schlecht um die Achtung der Menschenwürde: Da denkt kaum noch jemand daran, wichtige Erkenntnisse aus Arbeitspsychologie und Personalentwicklung umzusetzen, es wird Unterwerfung und Gehorsam statt Wissen und Erfahrung eingekauft, Mitarbeiter werden regelrecht in den Burnout getrieben, dem Verweigerer bleibt gesteigerte Demütigung oder der Schritt in die Arbeitslosigkeit. Die Opportunitätskosten, welche für die Arbeit in solchen Unternehmen in Kauf genommen werden, übersteigen häufig in nicht geringem Maß die Gehaltszahlungen. Nur besteht während der Tätigkeit selten die Möglichkeit, dies wahrzunehmen. Dafür fehlen Zeit und Kraft. Vielleicht klingt das für manche weit hergeholt, doch in meinen Augen sind solche Beschäftigungsverhältnisse vergleichbar mit dem, was eine Scientology-Mitgliedschaft ausmacht.

Ist das Drumherumgerede bei Maischberger eine Folge der Abmahnungen aus den U.S.A., in denen Deutschland die Verfolgung von Minderheiten vorgeworfen wird? Ist die gesellschaftliche Akzeptanz von Unterwerfungsmaschinen so groß, weil wir Deutschen unsere sich durch die Jahrhunderte ziehende Obrigkeitshörigkeit im täglichen Leben immer noch nicht aufgeben haben, wir immer noch nicht frei denken wollen? Scheuen wir die Verantwortung für unser eigenes Leben immer noch so sehr? Ich bin der Meinung, wir könnten viel weiter kommen, wenn wir formulieren, welche grundlegend schädigenden Haltungen wir in unserer Gesellschaft nicht mehr zu tolerieren bereit sind und das Gegenteil im gesamten Land gemeinsam anstreben. Dafür brauchen wir keine Sektenverbote. Was wir brauchen, sind Menschen, die sich zu unserer Verfassung bekennen und entsprechend handeln. Ich fürchte jedoch, genau diese sind mittlerweile die, zwar nicht verfolgte, doch sehr eingeschränkte Minderheit.

Frau Maischberger hat trotzdem einen guten Job gemacht. Es ist wichtig, über die Scientology Organisation zu diskutieren. Es ist ebenfalls zu befürworten, dass dabei Menschen anwesend sind, die die Faszination dieser Kirche hinterfragen und schauen, was den Menschen in ihrem Leben fehlt, die sich in solche Sekten flüchten. Dankbar bin ich besonders für Jürgen Flieges Herangehen an das Thema, seine Selbstkritik als Vertreter der evangelischen Kirche, die sich wie andere Anhänger des Gekreuzigten zwar für das Seelenheil der Menschen verantwortlich fühlt, die moderne Psychologie und zum Beispiel durch christliche Indoktrination enstandene Kindheitstraumata jedoch ignoriert. Lobenswert außerdem der Aufruf von Hubert Seibert, die Menschen in Scientology nicht als gehirngewaschene Zombies zu verurteilen, sowie Günther Becksteins Besonnenheit. Ein wohltuender Ausgleich zum teilweise unverschämten Auftreten der in ihrem Krieg gefangenen Ursula Caberta.

Und das nicht zu knapp.

1.
Acht Teller, nicht spülmaschinengeeignet, dafür extrem hübsch und mit Goldrand.

2.
Eine Lampe mit kleinen, so wie sie jetzt steht, nicht wahrnehmbaren Flecken auf dem Schirm. Als Ersatz für ein zu Bruch gegangenes Ikeading. Besser so.

Preis: Alles zusammen 16 Euro.
Darüber hinaus durfte ich erstklassige Veranstaltungsräume besichtigen.
Es kann also weitergehen. Man muss nur wissen, wo.

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