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Boulevardmedizin.

Fest im Beamtensessel.

Im Kamin. Das Holz lacht.

Eine kleine Erinnerung für Tage, die eigentlich gar nicht doof sind, aber sich so anfühlen. Zum Nachvorneschauen.

– Zur Jobentscheidung gezwungen worden, wie so oft auf das Herz statt den Geldbeutel gehört und festgestellt, dass mein Herz sich kaum noch zu sprechen traut.

– Einen kräftigen Schlag auf den Hinterkopf bekommen und mit Warnblinker sowie dem Gefühl, ohnmächtig zu werden, nachts am Straßenrand gestanden, was die wenigen Vorbeifahrenden einen Dreck interessiert hat.

– Ein Brand sorgte dafür, dass aus meiner Dinnerverabredung nicht einmal ein Krankenbesuch wurde.

– Festgestellt, dass auf meiner Festplatte nicht mal mehr Platz für die Handysoftware ist.

– Der Tatsache ins Auge geblickt, dass mein altes Leben nach den Psychofoltergeschichten wirklich nicht mehr da ist und ein neues auch irgendwie fehlt.

– Die Musik nicht einmal mehr angemacht mit dem Wissen, dass sie mich eh kalt lassen würde.

– Mir wurde zur Begrüßung auf unangenehme und erniedrigende Art und Weise an den Hintern gefasst und ich habe es versäumt, mich dagegen zu wehren.

– Es hat sich mal wieder jemand fast vor der Tür mit dem Motorrad totgefahren.

– Den Versuch gewagt, mich bei einem ehemals persönlich wichtigen Menschen zu melden und Schweigen geerntet.

– Eine dicke Spinne hat sich im Bad versteckt.

Und jetzt sehe ich auch noch Sternchen und weiß, dass mindestens die Hälfte des neuen Tages für Arztbesuche draufgehen wird. Es kann wohl hoffentlich trotzdem nur besser werden.

Mein Schädel brummt und irgendwas drückt von innen auf mein linkes Auge. Dank der vollkommen überflüssigen Aggressivität eines kleinen Spackers bin ich an diesem sonnigen Tag ans Bett gefesselt. Es sollte eine lustige Nacht werden: Die Geburtstagsfeier eines alten Bekannten. Für die meisten, und auch für mich ein paar Stunden lang, war es ein fröhliches Fest. Doch leider stellte sich mein Talent, zur falschen Zeit am falschen Fleck zu sein, irgendwann als extrem zuverlässig heraus. Wie immer jedoch mit viel Glück im Unglück, stand ich mit dem Rücken zur Tür, als zwei Idioten kurz nacheinander den Laden betraten. Andernfalls wäre jetzt meine Nase platt, denn es ging alles viel zu schnell, um auszuweichen. Der eine ging sofort auf den anderen los, als dieser noch keine zwei Sekunden im Raum war. Es gab ein kurzes Gerangel und die beiden wären wohl ineinander verhakt auf dem Boden gelandet, hätte ihnen mein Körper nicht den Weg versperrt. Ich bin mir nicht ganz sicher, was meinen Kopf von hinten mit solcher Wucht getroffen hat, dass ich ein paar Kilometer vor meinem Heimatort sogar das Autofahren aufgrund akuter Schwindelanfälle aufgeben und mich abholen lassen musste. Wahrscheinlich war es der Schädel des Initiators der Rangelei, zusammen mit dem Gewicht des anderen. Mir bleibt nur Bettruhe und die Hoffnung, dass es dem kleinwüchsigen Wichser, über dessen Freund und seine kleinkriminellen Machenschaften hier noch in anderem Zusammenhang zu lesen sein wird, noch schlechter geht als mir.

Gab es nicht mal ein Märchen mit einem kleinen Jungen, der sich nur von Pfannkuchen ernährt und irgendwann wie ein Pfannkuchen aussieht? Märchen sind grausam. Wie gut, dass ich kein kleiner Junge bin.

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