Kommunikation


Betreiber von Kundenabzockklitschen erschwätzen sich Millionen, mit denen sie dann schlechte Portale aufbauen, die niemand braucht. Sie scheren sich oft einen Dreck um Jugendschutz und Service, denn der Verzicht darauf sichert ihren nächsten Urlaub und kostspielige Hobbies. Hauptsache, sie fühlen sich erfolgreich und stark. Hauptsache, die neue klitscheneigene motorisierte Schwanzverlängerung kann eine bessere Ausstattung und mehr Extras vorweisen als die des Konkurrenten. Hauptsache, irgendwer zahlt irgendwann einen stattlichen Preis für die gesammelten Nutzerprofile.

Warum sollten sie sich denn um mehr kümmern? Der Staat hilft ja, schickt seine Polizisten in die Schulen, um die Kids wenigstens ansatzweise darüber aufzuklären, wie sie sich vor den ganzen dreckigen Abzockern und Kinderfickern schützen können, die in den Portalen der Millionenkassierer ihr Unwesen treiben. Muss reichen, man kann ja sonst nichts machen, denken die wahrscheinlich. Wenn sie überhaupt denken. Mehr Sicherheit und höhere Zugangsbarrieren vertreiben außerdem die Kunden. Das kann man doch nicht verantworten!

Auf der anderen Seite verzichten viele Betreuer vernachlässigter Kinderseelen auf Gehalt und Weihnachtsgeld, um ihre chronisch unterfinanzierten Einrichtungen zu retten. Es würde ihnen das Herz brechen, müssten sie einem ihrer Schützlinge die Unterstützung entziehen und ihn der Verwahrlosung in seinem Elternhauses überlassen, nur weil sie selbst auf eine angemessene Bezahlung pochen. Jedes weitere Kind, dem sie mit ihrem Verzicht und häufig zusätzlichem Engagement in ihrer Freizeit dabei helfen, irgendwann ein wenigstens annähernd menschenwürdiges Leben führen zu können, ist für sie ein Gewinn. Dabei wissen sie: Es ist alles nur ein Tropfen auf einem heißen Stein. Nicht einmal gute Ernährung lassen die leeren Kassen zu. Und das, obwohl dieses Jahr auf vielen Titelseiten zu lesen war, dass es aufwärts geht in Deutschland.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass diese beiden Welten, die der Webzweinullnummern und die der Kinderheime, soviel miteineinder zu tun haben wie die Bildzeitung mit investigativem Journalismus. Doch ich frage mich ernsthaft, wie viele Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen man sanieren und nachhaltig sichern könnte, wenn alle Betreiber von Portalen im angeblich sozialen Internet zumindest die Kosten für Jugendschutz internalisieren und von jeder Venture Capital Million nur ein paar Euros auf Jugendhilfekonten fließen würden.

Für die einen Sodom,

für ganz andere eine Stadt der Möglichkeiten.

Schon viermal hatte ich heute ein Callcenter der Deutschen Telekom an der Strippe, dessen Mitarbeiter mir die Zustimmung zur konzernweiten Nutzung meiner Daten zu Marketingzwecken entlocken wollten. Erst gab es einen kurzen abgelesenen Monolog über mehr Kundenfreundlichkeit: jede Menge Blabla zum Kommunikationsunternehmen der Superklasse, das mich in Zukunft gezielt über meine Vertragsdaten und andere tolle Sachen informieren möchte, da das ja als Kunde mein gutes Recht sei. Auf meine Frage, warum T-Mobile nun plötzlich für erwartbaren Kundenservice eine extra Zustimmung benötigt, konnten mir die Damen leider keine zufriedenstellenden Antworten geben. Sie gaben von sich, was auf dem Bildschirm vor ihnen abzulesen war, mehr nicht. Es würde sich ja gar nichts für mich ändern, ich solle also bitte endlich zustimmen.

Ich kann sehr blöd sein in solchen Situationen, man muss mir dann immer wieder alles erklären, sonst verstehe ich solche Vertragsgeschichten einfach nicht. Am liebsten hätte ich den zu unterzeichnenden Vertrag in schriftlicher Form per Post bekommen. Das allerdings wäre nicht möglich, erklärte mir die Magenta-Maus. Da mein Staunen kein Ende nehmen wollte, wiederholte sie mehrfach den ihr vorliegenden Text und ich hoffte derweil kopfschüttelnd, dass ihr irgendwann selbst auffallen würde, welchen Müll sie mir ins Ohr drückt. Da die Erkenntnis ihrer eigenen Inkompetenz hörbar ausblieb und die Telefonistin sich und ihren Arbeitgeber mit dem Argument, dass mit meiner Zustimmung endlich der ganze Magenta-Spam aufhören würde, nur immer weiter der Peinlichkeit preisgab, ließ ich sie zunächst fortfahren. Ich bin ja kein Unmensch und durchaus des Mitleidens mit merkbefreiten Minijobberinnen fähig und bereit.

Gegen Ende des Gesprächs erklärte sie mir dann allerdings, dass nun ein Aufnahmegerät eingeschaltet würde, um die Zusammenfassung der Leistungen und meine Zustimmung aufzuzeichnen. Von „es ändert sich für sie ja gar nichts“ plötzlich kein Ton mehr: es folgte eine knackige juristendeutsche Zusammenfassung dessen, was mir gerade in verschwurbeltem Marketingsprech angedreht wurde. Statt einem einfachen Ja auf dem Band musste das Telefonhässchen schlussendlich mit einem klaren „Nein, ich stimme der Deutschen Telekom AG ganz sicher nicht zu, meine Daten innerhalb des Konzerns zu Marketing- und sonstigen Zwecken hin und her zu schieben, weil dieses Unternehmen mein Vertrauen schon vor längerer Zeit verspielt hat“ meinerseits vorlieb nehmen. Sie versuchte noch ein paar Mal zaghaft, mir das ersehnte „Ja“ zu entlocken, gab dann jedoch entnervt auf.

Eine Möglichkeit der Ablehnung dieses freundlichen Vertragsangebotes durch selbstständig denkende Kunden scheint bei der Telekom nicht vorgesehen, erhielt ich doch nach meinem deutlichen und mehrfachen NEIN gleich zwei weitere Anrufe, bei denen mir wieder in gebrochenem Deutsch (es klang sogar, als würde dieselbe Person es wiederholt versuchen) derselbe Mist angedreht werden sollte.

So nicht, Freunde der Blasmusik! Jedenfalls nicht mit mir.

Offenheit für Neues ist eine Sache. Die fahrlässige Gefährdung eines lokalen Wirtschaftszweiges durch die eigene Verwaltung ist eine andere.

An den ersten grauen Spätsommertagen und -nächten eines jeden Jahres sitzen die Gastwirte der kleinen Stadt geduldig auf Angebot und leeren Kassen. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, der Mitte Oktober Eiseskälte, feilschende Händler und näselnde Schausteller zum Jahrmarkt herbeiweht. Dann sind die Wochen des Sparens vorbei, es wird ausgelassen gefeiert, und nicht nur die Gastronomen werden für ihr Warten mit besonderen Einnahmen belohnt. Seit gut 600 Jahren tickt die Stadt vermutlich in diesem Rhythmus, denn so lange schon gibt es den Lukasmarkt.

2007 ist vieles anders. Die Einbrecher kamen im August. Wohl immer noch nicht gefasst, treiben sie mittlerweile in den umliegenden Dörfern ihr Unwesen: Bereits viele einheimische Wirte wurden um die Inhalte ihrer Spielautomaten, Kassen und/oder Lagerräume beraubt. Wo nichts erbeutet werden konnte, entstand wenigstens ein Schaden durch Aufbruchswerkzeug, verbunden mit einem sich ausbreitenden Gefühl der Unsicherheit. Trotzdem brach in der Stadt nicht das große Jammern aus. In freudiger Erwartung der kommenden neun umsatzstarken Markttage blieb man gelassen.

Der 602. Lukasmarkt jedoch ist seit gestern vorbei und hat in manchen Häusern den Schatten von Wut und Enttäuschung hinterlassen. Was gastronomieerfahrenen Mayenern bisher nämlich untersagt wurde, durfte dieses Jahr ein Düsseldorfer Großveranstalter umsetzen: Die Burggarage, aufgrund ihrer Lage zur Jahrmarktzeit eh nicht als Parkhaus nutzbar, wurde fast rund um die Uhr von Ortsfremden bewirtet. Eventgastronomie schimpft sich sowas. Das vorher von der hiesigen Provinzbevölkerung für den Lauksmaat gesparte Geld ist damit alles, nur eben nicht mehr da im regionalen Wirtschaftskreislauf. Im Großstadtdschungel mag sowas untergehen, doch in der Provinz, wo jeder mit fast jedem spricht, gelten andere Maßstäbe. Außerhalb der Fußgängerzone arbeitende Wirte und Barleute jedenfalls können das Geld nicht zurücktragen in die einheimischen Geschäfte, denn ihre Bars und Kneipen waren nicht viel besser besucht als an den ersten grauen Tagen im September. Die Gästemassen standen derweil Schlange in der Burggarage und füllten Düsseldorfer Portemonnaies und Steuerkassen.

Als wären dies der Sorgen nicht genug, kommt nach den winterlichen Feiertagen, dem Jahreswechsel und Karneval das Rauchverbot in Gaststätten mit Ämterrennerei, eventuellen Umbaukosten und einem erwarteten Umsatzeinbruch auf deren Betreiber zu. Auch in Tanzlokalen wird zudem die Maximallautstärke per Gesetz vorgeschrieben werden, was zwar gut für die Ohren, doch ebenfalls nicht wirklich geschäftsfördernd ist. Ganz großartig, wenn Schutzgesetze dafür sorgen, dass die zu schützenden Arbeitnehmer bald einfach keine Arbeit mehr haben. Denkt da bitte mal jemand nach, bevor entschieden wird?

Die Verpachtung der Burggarage an einen Einheimischen hätte zumindest den lokalen Wettbewerb in Gang bringen können. Doch auch diese Möglichkeit zur Stärkung der hiesigen Wirtschaft wurde von den Stadtoberen vertan. Die deutschen Bürgervertreter interessieren sich offensichtlich auch im Kleinen nicht mehr für die Belange der Menschen, als deren Werkzeuge sie gewählt wurden. Wenn schon allerorts nach mehr Schutz und Sicherheit gebrüllt wird: Wo bleibt dann das Gesetz zum Schutz der arbeitenden Bevölkerung vor zunehmender Inkompetenz in Führungspositionen? Es wird Zeit, etwas zu ändern; es wird Zeit, etwas zu tun.

Sag doch mal was.

hier in der Provinz ein paar kostbare Kleinigkeiten vermisse?

Alles muss man selbermachen…

deshalb hier mein Kommentar zur Talkrunde mit dem Thema „Scientology: Wie gefährlich ist die Psychosekte?“ vom heutigen Abend.

Bei allem Gerede über Verfassungsfeindlichkeit: Niemand in dieser Runde hat daran gedacht, auf die Hierarchie einzugehen, in die sich ein vorher freier Mensch (ja, obwohl auch in unserem Land ganz fürchterliche, die persönliche Freiheit eines jeden zunehmend einschränkende Dinge geschehen, bin ich der Meinung, dass wir mit ein bisschen Willen immer noch frei sein können) durch die Hinwendung zur Scientology Kirche begibt. Vor unserem Gesetz sind alle Menschen gleich, und alle haben das Recht auf die freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Mit dem Eintritt in eine Hierarchie, wie sie durch die verschiedenen Grade in der Scientology-Ausbildung vorgebeben wird, gibt das Neumitglied allerdings genau diese Rechte ab: Was vorher noch gleichberechtigter Mensch war, ist plötzlich minderwertiger als der betreuende Clear oder ein für den Neuling unerreichbarer OT, darf sich als Ausgleich höherwertiger als ein Nichtscientologe sehen. Aufstieg und Anerkennung innerhalb der Hierarchie erkauft sich das Organisationsmitglied mit großen Geldbeträgen und der freiwilligen Aufgabe seiner Informationsfreiheit, wie von den beiden anwesenden Aussteigern neben der Bestätigung zu hören war, dass es nur darum geht, als Rädchen innerhalb der Organisation zu funktionieren. Alle diese Menschen fehlen nach ihrem Beitritt zur Scientology Kirche bei der Umsetzung unserer freiheitlichen Grundordnung, gefährden die Demokratie durch ihre Abwendung von derselben. Wie kann freie Entfaltung der Persönlichkeit und Meinungsbildung funktionieren, wenn über die Einschätzung der eigenen Befindlichkeit ein anderer entscheidet, und zwar am E-Meter, mit Blick auf das Erreichen eines größeren Zieles, in dem die persönlichen Bedürfnisse des Betreffenden keine besondere Rolle spielen?

Ebenso wenig wurde die zu vermutende bewusste Verheimlichung ihrer Unterstützung der Scientology Organisation durch einzelne Wirtschaftsakteure angesprochen oder ein Vergleich mit mittlerweile in deutschen Unternehmen fast üblichen Ausbeutungsmethoden herangezogen. Ich jedenfalls fürchte, die Arbeit bei nicht wenigen Klitschen in Deutschland hinterlässt in vielen „Aussteigern“ ähnliche Spuren wie die Technologie der Wirtschaftsorganisation Scientology. Nach meiner eigenen Erfahrung in der deutschen Web2.0-Blase steht es nicht nur schlecht um die Achtung der Menschenwürde: Da denkt kaum noch jemand daran, wichtige Erkenntnisse aus Arbeitspsychologie und Personalentwicklung umzusetzen, es wird Unterwerfung und Gehorsam statt Wissen und Erfahrung eingekauft, Mitarbeiter werden regelrecht in den Burnout getrieben, dem Verweigerer bleibt gesteigerte Demütigung oder der Schritt in die Arbeitslosigkeit. Die Opportunitätskosten, welche für die Arbeit in solchen Unternehmen in Kauf genommen werden, übersteigen häufig in nicht geringem Maß die Gehaltszahlungen. Nur besteht während der Tätigkeit selten die Möglichkeit, dies wahrzunehmen. Dafür fehlen Zeit und Kraft. Vielleicht klingt das für manche weit hergeholt, doch in meinen Augen sind solche Beschäftigungsverhältnisse vergleichbar mit dem, was eine Scientology-Mitgliedschaft ausmacht.

Ist das Drumherumgerede bei Maischberger eine Folge der Abmahnungen aus den U.S.A., in denen Deutschland die Verfolgung von Minderheiten vorgeworfen wird? Ist die gesellschaftliche Akzeptanz von Unterwerfungsmaschinen so groß, weil wir Deutschen unsere sich durch die Jahrhunderte ziehende Obrigkeitshörigkeit im täglichen Leben immer noch nicht aufgeben haben, wir immer noch nicht frei denken wollen? Scheuen wir die Verantwortung für unser eigenes Leben immer noch so sehr? Ich bin der Meinung, wir könnten viel weiter kommen, wenn wir formulieren, welche grundlegend schädigenden Haltungen wir in unserer Gesellschaft nicht mehr zu tolerieren bereit sind und das Gegenteil im gesamten Land gemeinsam anstreben. Dafür brauchen wir keine Sektenverbote. Was wir brauchen, sind Menschen, die sich zu unserer Verfassung bekennen und entsprechend handeln. Ich fürchte jedoch, genau diese sind mittlerweile die, zwar nicht verfolgte, doch sehr eingeschränkte Minderheit.

Frau Maischberger hat trotzdem einen guten Job gemacht. Es ist wichtig, über die Scientology Organisation zu diskutieren. Es ist ebenfalls zu befürworten, dass dabei Menschen anwesend sind, die die Faszination dieser Kirche hinterfragen und schauen, was den Menschen in ihrem Leben fehlt, die sich in solche Sekten flüchten. Dankbar bin ich besonders für Jürgen Flieges Herangehen an das Thema, seine Selbstkritik als Vertreter der evangelischen Kirche, die sich wie andere Anhänger des Gekreuzigten zwar für das Seelenheil der Menschen verantwortlich fühlt, die moderne Psychologie und zum Beispiel durch christliche Indoktrination enstandene Kindheitstraumata jedoch ignoriert. Lobenswert außerdem der Aufruf von Hubert Seibert, die Menschen in Scientology nicht als gehirngewaschene Zombies zu verurteilen, sowie Günther Becksteins Besonnenheit. Ein wohltuender Ausgleich zum teilweise unverschämten Auftreten der in ihrem Krieg gefangenen Ursula Caberta.

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