Offenheit für Neues ist eine Sache. Die fahrlässige Gefährdung eines lokalen Wirtschaftszweiges durch die eigene Verwaltung ist eine andere.

An den ersten grauen Spätsommertagen und -nächten eines jeden Jahres sitzen die Gastwirte der kleinen Stadt geduldig auf Angebot und leeren Kassen. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, der Mitte Oktober Eiseskälte, feilschende Händler und näselnde Schausteller zum Jahrmarkt herbeiweht. Dann sind die Wochen des Sparens vorbei, es wird ausgelassen gefeiert, und nicht nur die Gastronomen werden für ihr Warten mit besonderen Einnahmen belohnt. Seit gut 600 Jahren tickt die Stadt vermutlich in diesem Rhythmus, denn so lange schon gibt es den Lukasmarkt.

2007 ist vieles anders. Die Einbrecher kamen im August. Wohl immer noch nicht gefasst, treiben sie mittlerweile in den umliegenden Dörfern ihr Unwesen: Bereits viele einheimische Wirte wurden um die Inhalte ihrer Spielautomaten, Kassen und/oder Lagerräume beraubt. Wo nichts erbeutet werden konnte, entstand wenigstens ein Schaden durch Aufbruchswerkzeug, verbunden mit einem sich ausbreitenden Gefühl der Unsicherheit. Trotzdem brach in der Stadt nicht das große Jammern aus. In freudiger Erwartung der kommenden neun umsatzstarken Markttage blieb man gelassen.

Der 602. Lukasmarkt jedoch ist seit gestern vorbei und hat in manchen Häusern den Schatten von Wut und Enttäuschung hinterlassen. Was gastronomieerfahrenen Mayenern bisher nämlich untersagt wurde, durfte dieses Jahr ein Düsseldorfer Großveranstalter umsetzen: Die Burggarage, aufgrund ihrer Lage zur Jahrmarktzeit eh nicht als Parkhaus nutzbar, wurde fast rund um die Uhr von Ortsfremden bewirtet. Eventgastronomie schimpft sich sowas. Das vorher von der hiesigen Provinzbevölkerung für den Lauksmaat gesparte Geld ist damit alles, nur eben nicht mehr da im regionalen Wirtschaftskreislauf. Im Großstadtdschungel mag sowas untergehen, doch in der Provinz, wo jeder mit fast jedem spricht, gelten andere Maßstäbe. Außerhalb der Fußgängerzone arbeitende Wirte und Barleute jedenfalls können das Geld nicht zurücktragen in die einheimischen Geschäfte, denn ihre Bars und Kneipen waren nicht viel besser besucht als an den ersten grauen Tagen im September. Die Gästemassen standen derweil Schlange in der Burggarage und füllten Düsseldorfer Portemonnaies und Steuerkassen.

Als wären dies der Sorgen nicht genug, kommt nach den winterlichen Feiertagen, dem Jahreswechsel und Karneval das Rauchverbot in Gaststätten mit Ämterrennerei, eventuellen Umbaukosten und einem erwarteten Umsatzeinbruch auf deren Betreiber zu. Auch in Tanzlokalen wird zudem die Maximallautstärke per Gesetz vorgeschrieben werden, was zwar gut für die Ohren, doch ebenfalls nicht wirklich geschäftsfördernd ist. Ganz großartig, wenn Schutzgesetze dafür sorgen, dass die zu schützenden Arbeitnehmer bald einfach keine Arbeit mehr haben. Denkt da bitte mal jemand nach, bevor entschieden wird?

Die Verpachtung der Burggarage an einen Einheimischen hätte zumindest den lokalen Wettbewerb in Gang bringen können. Doch auch diese Möglichkeit zur Stärkung der hiesigen Wirtschaft wurde von den Stadtoberen vertan. Die deutschen Bürgervertreter interessieren sich offensichtlich auch im Kleinen nicht mehr für die Belange der Menschen, als deren Werkzeuge sie gewählt wurden. Wenn schon allerorts nach mehr Schutz und Sicherheit gebrüllt wird: Wo bleibt dann das Gesetz zum Schutz der arbeitenden Bevölkerung vor zunehmender Inkompetenz in Führungspositionen? Es wird Zeit, etwas zu ändern; es wird Zeit, etwas zu tun.

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