Aha. So geht das also. Alle kleinen Risse in den Wänden müssen sorgfältig aufgeschnitten werden, so dass sie aussehen wie ein V. Dann erst darf ich sie neu verspachteln, trocknen lassen, schleifen, streichen. Auf dass hier frischer Wind und neues Leben einziehen und auch ich wieder ein gemütliches Plätzchen für mich habe. Noch sind nämlich meine Sachen (oder was davon nach dem hektischen Umzug aus der Hauptstadt übriggeblieben ist) im ganzen Haus verteilt.

Zuletzt habe ich in diesem Haus mit neunzehn oder so gewohnt, für ein paar Monate nur, als Zwischenlösung. Die Wände in meinem alten Zimmer sind immer noch lachsfarben, so wie ich das vor fast 10 Jahren toll fand. Zum Glück ändert sich der Geschmack mit der Zeit. Vielleicht werden Menschen auch einfach langweiliger und farbloser. Jedenfalls kenne ich nur noch wenige, die zwischen quietschebunten Wänden leben. Außer meine Eltern natürlich, die haben ein gelb getupftes Schlafzimmer. Aber da schlafen sie ja selten, sie kommen nur noch gelegentlich fürs Wochenende hierher. Zeitloses Weiß setzt sich durch, zumindest bei mir. Reicht, dass die Fenster blau sind. Zwar nachtblau, doch für meinen Geschmack ist das genug langfristig eingesetzte Farbe in diesem alten Haus.

Sollte ich irgendwann in diesem Chaos hier eine Kamera finden, gibt es Bilder für alle. Es ist nämlich wirklich schön hier. Und Katzen gibt es auch ganz viele. Zuerst wird aber gestrichen. Ach nee. Es werden V’s geschnitten. Dabei werde ich wie beim letzten Renovieren hier die Fantas hören, dazu den Gedanken an Ackermanns triumphale Geste im Kopf: jeder kleine Schnitt ist ein Fortschritt auf dem Weg zum Sieg. Zugegeben, erstmal es ist nur ein Sieg über die Risse in der Wand. Doch irgendwo muss man ja anfangen als Schöpfer seiner Welt.

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