Gestern in der Ringbahn: Ein jugendlicher Mitbürger ausländischer Herkunft setzte sich mir gegenüber und begann, mich anzustarren. Nach ein paar Minuten legte er den Kopf auf unnatürlich langsame Weise in den Nacken. So weit, als hinge er an einem unsichtbaren Seil, das an der Zugdecke befestigt ist. Langsam senkte er den Kopf wieder, so dass ich in seine leeren braunen Augen schauen konnte, die er immer noch nicht geschlossen zu haben schien. Offenbar hat er irgendeine komische Krankheit. Leider musste ich ein paar Nachrichten schreiben während dieser Fahrt und konnte seinem Spiel deshalb nicht weiter folgen. Das ungesunde Knacken seiner Finger war jedoch nicht zu überhören, seine ruhigen Bewegungen aus meinem Blickwinkel nur zu erahnen. Am Südkreuz stieg der arme Kerl dann aus, ganz ohne eine Gegenleistung für seine Vorstellung zu erbitten. Irgendwas schien ihm peinlich zu sein.

Ich weiß gar nicht, wofür ich zuerst plädieren soll: Mehr Aufmerksamkeit für unsere Jugend, S-Bahn-Kunst oder eine bessere ärztliche Versorgung.

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