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Politikwissenschaftler Dieter Rucht gestern bei den ARD:

Aber was terroristische Akte in der Bundesrepublik angeht: Da gibt es einfach niemanden, der dazu steht oder im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel dazu aufgerufen hätte.

Wenn dieser Herr sagt, dass die angeblichen Globalisierungsgegner gar nichts gegen die Globalisierung haben und hier niemand Menschen töten oder den Staat aus den Angeln heben möchte, wo ist denn dann das eigentliche Problem? Würde mich interessieren. Denn tatsächlich kenne ich zwar einige Menschen, die wie ich letzte Woche entsetzt und solidarisch mit den Opfern deutscher Überwachungsstaatsgewalt demonstrierten, doch niemanden, der gegen eine verantwortungsvolle (globale) Politik wäre.

Was uns allerdings letzte Woche erwartete, waren Unmengen verschwendeter Steuergelder (aus sicherer Quelle: noch viel mehr, als für einen Einsatz in dieser Dimension nötig gewesen wären) und Polizisten, die einfach mitspielten und scheinbar keinen blassen Schimmer bzw. Interesse hatten zu begreifen, worum es uns dort ging. Eine von Kopf bis Fuß gegen Steine, Schüsse und Schläge geschützte Dame antwortete auf die freundliche Frage, ob sie sich beim Anblick dieser bei aller Wut friedlich demonstrierenden Menge nicht ein wenig fehl am Platz fühle: „Hier hinten ist ja alles gut, die Leute sind friedlich und gut drauf. Vorne aber eben nicht.“ Hinten, dort war der kleine Raverhaufen, der lächelnd und tanzend an der guten Laune festhielt und sich in hedonistischer Gelassenheit übte. Von gut drauf sein konnte aber nicht wirklich die Rede sein, dazu ist der Anlass zu ernst. Die nicht unbegründete Wut wurde wirklich ein paar Meter weiter vorne deutlich, da hat die Dame recht. Es gab allerdings Durchsagen und Musik, ein Angebot zur Kommunikation also, nicht körperliche Gewalt. Die Steine, über die wir in der Baustelle liefen, blieben alle liegen und ich war erleichtert niemanden zu sehen, der aussah als würde er übers Werfen nachdenken.

Ich weiß nicht mehr genau wo ich gelesen hatte, dass man potenzielle Terroristen an ihrer Freundlichkeit gegenüber der Staatsgewalt erkennt. Vielleicht kann da jemand mit einem Link helfen? Es ist jedenfalls eine Frechheit. Dieser Stempel gehört da nicht hin und führt dazu, dass das letzte bisschen Menschlichkeit zum Vergehen wird. Mein gesunder Menschenverstand jedenfalls war es, der mir verboten hat, während der völlig unsinnigen Kontrolle (weil nachher konnte sich eh jeder überall der Demo anschließen) beim Betreten des Mariannenplatzes die Polizisten anzupöbeln. Und ich denke, die nette Durchsuchungs-Blondine hat sich genauso über mein Lächeln gefreut wie ich mich über ihren Wortwitz.

Von diesem Lächeln blieb bis zum Ende der Demonstration allerdings nicht viel übrig. Mit Tränen in den Drüsen und einem Kloß im Hals sah ich während der Abschlusskundgebung die in Reihe stehenden Polizisten, den Gedanken ‚Unser schönes Land! Was macht ihr nur?‘ im Kopf.

Ich bin danach lange weitergelaufen. Vorbei an Unmengen von Einsatzfahrzeugen.

Muss das wirklich so?

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