Schon die funktionierende Infrastruktur für eine Community zur Verfügung zu stellen ist eine Herausforderung, denn Menschen, die sich online treffen WOLLEN, möchten das auch nahezu reibungslos tun (deshalb an dieser Stelle Unverständnis für die Nutzer von Second Life oder dem bisherigen Community-Versuch der Telekom)*.

Wirklich schwierig wird es aber für viele, wenn es ums eigentliche Betreiben solcher Plattformen geht, darum, das Ding inhaltlich am Laufen zu halten. Die Einstellung des Betreibers lässt sich gut an AGBs und Netikette ablesen, deshalb ein paar Auszüge aus den neuen VZ-AGBs, die letzte Nacht per Mail reingeflogen sind, mit Kommentar.

Im Idealfall sieht sich der Betreiber als Wirt, der will, dass sich seine Gäste wohlfühlen. Was hat also das VZ mit einem guten Café, einer guten Bar oder einem Club, in den Frau auch alleine gehen kann, gemeinsam?

7. Verantwortlichkeit des Nutzers

Diese wird erst im siebten von insgesamt elf Punkten thematisiert. Erweckt den Anschein, als würde VZ viel Verantwortung für das übernehmen, was hinter den Login-Türen passiert.

7.5 Der Nutzer darf den Service von studiVZ nur zu dem

bestimmungsgemäßen Zweck des privaten Austauschs von

Informationen und der Herstellung von beiderseits

gewünschten privaten Kontakten nutzen.

Verboten ist insbesondere jede Form von sog.

„Massengruscheln“.

Schön, dass das nun mal ausdrücklich verboten wird. Doch schauen die VZ-Betreiber auch, dass das nicht passiert? Ja, und zwar so:

3.5 Der Betreiber behält sich vor, im Datenbanksystem

von studiVZ Programme zu verwenden, welche Rückschlüsse

auf das Kommunikationsverhalten der Nutzer ermöglichen.

Diese Programme dienen ausschließlich der Erhöhung der

Sicherheit der Kommunikation im Netzwerk von studiVZ.

Eine Verwendung der durch diese Programme

gewonnenen Daten zu anderen, insbesondere gewerblichen

Zwecken findet nicht statt.

Da frag ich mich, wie wollen die so wirklich „angemessene Werbung“ schalten?

 

4.2 Der Betreiber behält sich das Recht vor, die

Nutzung von bestimmten Diensten (z.B. SMS-Versand) auf

der Plattform zur gegebenen Zeit entgeltlich zu gestalten.

Außerdem behält sich der Betreiber vor, künftig

angemessene Werbung zu schalten.

Und warum bitte wird sonst das Kommunikationsverhalten eventuell überwacht, wenn der Betreiber sich nicht dazu verpflichtet, mal reinzuschauen?

 

6.6 Der Betreiber behält sich das Recht vor – geht

jedoch keinerlei derartige Verpflichtung ein -, den Inhalt

jedweden Textes sowie eingesandter Fotos bzw. Grafikdateien

auf die Einhaltung von Gesetz und Recht zu überprüfen

und, wenn nötig, ganz oder teilweise zu löschen.

 

 

Also kein Wirt, der wirklich ums Wohlergehen seiner Gäste bemüht ist, der wie die ostdeutsche Mutter im Witz auch wirklich mal „nach dem Rechten sieht“.

Und wenn es richtig kritisch wird, wird sich verdrückt oder was?

6.7 Der Betreiber ist jederzeit berechtigt, die Dienste

von studiVZ ohne Angabe von Gründen unter Ausschluss

jeglicher Schadenersatzansprüche der Nutzer mit sofortiger

Wirkung ganz oder teilweise einzustellen und

sämtliche gespeicherten Nutzerdaten zu löschen.

Da gehe ich doch lieber in eins meiner Stammlokale, wo der Wirt noch gerne selbst darauf achtet, dass zum Beispiel eine Frau nicht gegen ihren Willen blöd angelabert und belästigt wird und nervigen Herren selbst umgehend die Tür zeigt. Außerdem darf ich dort auch Geschäfte anbahnen, die in Zukunft auch meinen Lebensunterhalt sichern, nicht nur den des Wirtes:

 

2.4 studiVZ bietet die Dienste seiner Plattform

ausschließlich für private Zwecke an. Eine gewerbliche

Nutzung ist nicht erlaubt.Mit der Anmeldung versichert

der Nutzer, die Dienste nur für private Zwecke zu nutzen.

 

Ich persönlich vermische nämlich sehr gerne Privates und Arbeit, weil ich viel lieber mit Menschen arbeite, die ich auch privat mag. Und rein private Anliegen mache ich ungern einem Wirt wie StudiVZ zugänglich, denn das ist Vertrauenssache. Dafür habe ich ein reales Privatleben, dessen Grundlage Vertrauen ist, welches ich VZ nicht schenken kann.

Warum wird nicht direkt am Anfang darauf hingewiesen, dass jeder sich auf eigene Gefahr in ein Netzwerk begibt, bei dem er nicht erwarten sollte, Menschen mit ähnlicher Einstellung zu treffen, dieses aber wie im normalen Leben möglich sein kann, er aber auf keinen Fall (im Gegensatz zum Wirt) finanzielle Vorteile daraus ziehen darf?

Sorry, Lukasz. Ich war guten Willens und habe mich registriert. Überzeugt bin ich von dieser deiner Investition jedoch nicht genug, um im VZ aktiv zu werden.

*Nunja, WordPress kann auch ganz schön nerven, wie man an den nicht rauszubekommenden Einrückungen sieht, für die ich mich an dieser Stelle entschuldige. Keine Lust mehr auf Abstürze heute.

Advertisements