Das Bild im Kopf dieses Blogs ist eine Erinnerung an einen wunderschönen Sommertag im Volkspark Friedrichshain. Wir spielten abwechselnd mit R.s Kamera. An dieser Aufnahme beteiligt waren E., der glaube ich den Auslöser drückte und dessen Hand die Kugel hält, D., die unten rechts zu sehen ist und ich, die in der Mitte von der Sonne geblendet wird und die den hier gezeigten Ausschnitt gewählt hat. Vielleicht haben auch die anderen Anwesenden ihre klugen Kommentare abgegeben, ich weiß es nicht mehr.
Darf ich die von R. digital versendete Erinnerung nun einfach so verwenden? Und wenn nicht, wen muss ich fragen?
Da E., R., D. und ich über maximal eine Person miteinander befreundet sind und keiner der Beteiligten vom Fotografieren lebt, geht das wohl erst mal klar. Und falls wider Erwarten irgendwoher Geld fließt, wird freiwillig geteilt. So macht man das unter Freunden. Für andere Fälle sind die Gesetze da, mittlerweile fast undurchsichtig für jemanden ohne entsprechende Spezialisierung.
Schon komisch, das bei diesen ganzen Urheberrechts- und DRM-Diskussionen kaum jemand daran denkt, dass es dabei um gelebte und gespeicherte Gefühle geht, die jemand in Form gebracht und so für andere erfahrbar gemacht hat. Als Nutz(nieß)er dieser Gefühlskonserven will ich dem Künstler doch irgendwas zurück geben und sein Weitermachen sichern, auch wenn ich selbst nicht viel zahlen kann, möchte immer und ewig weiter versorgt werden mit Musik, Bildern, Texten, Filmen etc. Schon aus ganz egoistischen Gründen lebt es sich in einer Welt mit mehr Kunst als Künstlichkeit angenehmer.
Außerdem habe ich von keinem der mir bekannten Künstler bisher gehört, dass es ihm nur ums reich und berühmt werden geht. Viel häufiger dafür, wie schwierig es ist, von Kunst zu leben. Und trotzdem machen sie es und verschenken die Ergebnisse sogar gerne mal, auch ohne einen Manager, der auf die Nützlichkeit dieser Promo hinweist.
Grundlegend wollen beide das Gleiche, der Konsument und der Künstler. Nur haben sie an vielen Stellen den Kontakt zueinander verloren. Ist Dieter Bohlen mit seinen gedemütigten Superstar-Platzhaltern daran schuld? Wer hat zu verantworten, dass vom Markt nur ein Krieg um schnöden Mammon geblieben ist?
Wen interessiert das noch. Es gibt ja MySpace, Web 2.0 und diese ganzen Sachen, wo jeder mit jedem innerhalb weniger Sekunden befreundet sein kann. Ganz fantastisch! Nur landen die, die dadurch bekannt werden, immer noch in den alten Strukturen, auch wenn sie ein paar Stufen überspringen dürfen. Und diese gesamte Industrie erkennt die Vorteile aus der freien Verfügbarkeit, Weitergabe und Verarbeitung von Inhalten im Netz nur an, wenn die Öffentlichkeit nichts anderes mehr zulässt. Statt in diese positive Veränderung zu investieren und ein intelligentes System zu entwickeln, das den Verkauf und auch die direkte Weitergabe mit Abzweigung eines bei jeder weiteren als der Privatkopie kleiner werdenden Betrags für den Künstler und den Verbraucher, der gerne mal seine Geräte wechselt, möglichst einfach macht, wird blockiert und der seit Jahren stinkende Kadaver mit aller zur Verfügung stehenden Energie immer wieder zum Leben erweckt. Sich dann aber über Zombies wundern. Tsstsstss.
Jaja. Ich weiß. Ich bin nicht der erste, dem das aufgefallen ist, es gibt Creative Commons Lizenzen und die Idee mit der Superdistribution hatten auch schon andere. Es gibt mittlerweile auch einige schicke Portale mit Bonussystemen o. ä., die gedanklich in eine ähnliche Richtung gehen.
DRM war bisher meist Kopierschutz und wird deshalb zurecht an den Pranger gestellt. Ich durfte gerade erst erleben, wie schwierig es dank Microsoft DRM sein kann, einen (sogar extra für diesen Zweck komponierten und gekauften) Track in eine Website zu integrieren. Macht keinen Spaß. Ganz abschaffen, weil die alte Denke dahinter nicht funktioniert hat, halte ich allerdings nicht für schlau, auch wenn solche Worte gerade nicht trendy sind. Auf die Naivität zu glauben, dass Rechte in Zukunft nicht mehr geschützt werden, wies schon Paul Birch hin.
Doch wo bleibt die funktionierende Lösung? Wo bleibt das Ding, das statt zu beschränken die gewünschte Verbreitung und Bezahlung unterstützt, auch den finanzschwachen Kunstliebhaber und -verwerter wieder Freund und Unterstützer des Künstlers sein lässt, endlich an den von ihm generierten Umsätzen beteiligt, gleichzeitig den Künstler wieder zum wirklichen Rechteinhaber seiner Werke macht und davon leben lässt?